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Niedertemperaturheizung

Wand-, Fussboden und Deckenheizung (© REHAU)
Wand-, Fussboden und Deckenheizung (© REHAU)

Langfristig ist mit immer weiter steigenden Heiz- und Energiekosten zu rechnen. Im Bereich des Heizungsbaus gibt es aber Möglichkeiten, Energie zu sparen und Wärme effektiver zu nutzen. Auf diese Weise kann man die Heizkosten senken, ohne auf Komfort verzichten zu müssen. Eine Niedertemperaturheizung ist ein solches Heizungssystem, das äußerst effizient arbeitet und darüber hinaus in privaten und gewerblichen Räumen vielfältig eingesetzt werden kann.

Niedertemperaturheizsysteme

Unter einem Niedertemperaturheizsystem versteht man ein Heizungssystem, das auf eine besonders niedrige Vorlauftemperatur abgestimmt ist. Das niedrige Temperaturniveau ermöglicht es, Heizwärme wirtschaftlicher bereitzustellen. Zumeist werden Niedertemperaturheizsysteme als Flächenheizung realisiert. Es genügen schon niedrige Temperaturen, um eine effiziente Wärmestrahlung zu erzeugen und die Raumluft zu erwärmen. Die flächige Ausbreitung der Wärme sorgt des Weiteren für das schnelle Erreichen der eingestellten Zieltemperatur und für eine behagliche Heizwirkung. Je größer die zu beheizenden Räumlichkeiten, desto träger fällt bei diesem Heizungstyp allerdings die Temperaturregulierung aus, und die Erzeugung von Warmwasser ist ohne weitere technische Maßnahmen nicht möglich. Dennoch lässt sich eine Niedertemperaturheizung auch in großflächigen Räumen, wie zum Beispiel Gewerberäumen, effizient einbringen und betreiben. Die Voraussetzung ist allerdings eine gute Wärmedämmung.

Funktionsweise von Niedertemperaturheizsystemen

Niedertemperaturheizsysteme werden zumeist in Verbindung mit einer Wärmepumpe oder einem Brennwertkessel betrieben. Brennwertkessel und Wärmepumpe eignen sich energetisch am besten für Heizsysteme mit niedrigen Temperaturen. Bei heizkesselbetriebenen Niedertemperaturheizsystemen muss ein geeigneter Niedertemperaturkessel vorhanden sein, der eine Kondensation des beim Verbrennungsvorgang entstehenden Wasserdampfes im Kessel vermeidet. Außerdem sollte der Kessel möglichst aus korrosionsfestem Material bestehen. Die Wassertemperatur im Kessel braucht nicht durch einen Mischer höher gehalten werden als die Vorlauftemperatur, sondern sinkt oder steigt nach Bedarf mit ihr. Niedertemperaturheizkessel können sogar auf Raumtemperatur abkühlen, ohne dass Stillstandsverluste entstehen. Der Niedertemperaturkessel spart Platz im Keller und verringert die Abgasverluste. In der Regel ist es möglich, bestehende Heizkessel mit hohen Vorlauftemperaturen umzurüsten oder durch solche mit niedrigen Vorlauftemperaturen zu ersetzen. Damit senkt man auch in Haushalten, die noch über kein Niedertemperaturheizsystem verfügen, den Energieverlust, vor allem in der Übergangszeit. Eine alternative Maßnahme zum Absenken der Vorlauftemperatur ist die Installation einer Umwälzpumpe. Empfehlenswerter als ein Niedertemperaturheizkessel ist bei Niedertemperaturheizsystemen aber eine Wärmepumpenheizung. Mit einer hohen Jahresarbeitszahl kann sie besonders energieeffizient eingesetzt werden. Außerdem erleichtert sie die Nutzung von Abwärme und Solarwärme zum Heizen.

Worauf beruht das Prinzip von Niedertemperaturheizsystemen?

Gewöhnliche Heizungsanlagen operieren mit hohen Vorlauftemperaturen von bis zu 70 Grad. Die Wärmeabgabe erfolgt dann über Heizkörper, wobei nur ein Bruchteil der erzeugten Wärme in den auch tatsächlich zur Erwärmung der Räumlichkeiten genutzt werden kann. Niedertemperaturheizsysteme arbeiten hingegen mit einer höheren Energieeffizienz. Die komplette Heizungsanlage wird auch in der kalten Heizperiode im Winter auf einem niedrigen Temperaturniveau betrieben, wobei ca. 30 Grad bereits ausreichen. Die Wärmeabgabe in die einzelnen Räume erfolgt dann über eine Flächenheizung, d.h. ein Zentralheizungssystem, das über eine großflächige Wärmeabgabe verfügt. Denn je größer die flächenmäßige Wärmeabgabe, desto weniger Heizenergie muss aufgewendet werden. Mit Niedertemperaturen können Flächenheizsysteme wie Bodenheizung, Wandheizung und Deckenheizung effizient betrieben werden.

Weitere Vorteile von Niedertemperaturheizsystemen 

Neben dem Einsparpotenzial gibt es beim Betrieb eines Niedertemperaturheizsystems noch weitere Vorteile. Die Nutzung von Flächenheizsystemen wie Bodenheizung und Deckenheizung schafft eine besonders behagliche Wärme, die sich gleichmäßig schnell im gesamten Raum ausbreitet. Das ist beim Betrieb von Heizkörpern nicht der Fall. Erforderlich für die Installation eines Flächenheizsystems sind lediglich eine neue Estrichfläche und eine gute Wärmedämmung. Flächenheizsysteme werden sicher unter Putz verlegt. Bei Niedertemperaturheizsystemen profitieren Nutzer von den geringeren Wärmeverlusten im Verteilsystem und von der Tendenz zur Selbstregulierung. Steigt die Raumtemperatur durch Sonneneinstrahlung an, wird die Differenz zwischen der Raumtemperatur und der Heizwassertemperatur geringer. Als Folge nimmt die Wärmeabgabe ohne aktive Regulierung automatisch ab. In manchen Fällen, vor allem bei gut wärmegedämmten Bauten, kann wegen des Selbstregulierungseffekts sogar auf Einzelthermostate verzichtet werden.

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